Folge 00 – Ist-Zustand oder beam mich mal bitte nach 2119

Wir wollen erstmal im Thema ankommen und zwar mit dir zusammen. Wer sind wir? Worum geht´s im Podcast? Was bedeutet Feminismus (für uns)? Und welche Rolle spielen Medien bei der Gleichstellung der Geschlechter? 

Hi Luisa! 

Hi Elli! 

Luisa, weißt du was? Bis alle Geschlechter weltweit gleichberechtigt sind dauert das – wenn nichts schief geht – so ungefähr hundert Jahre… 

Ähm geil, danke für den Downer. Wollen wir jetzt in die allererste Folge tatsächlich so einsteigen? 

Jaaa ich find ehrlich gesagt schon, weil ganz ehrlich die Situation ist deprimierend genug. Und wenn wir jetzt so einsteigen, dann kanns hintenraus auch nur besser werden. 

Touché. 

Jingle Start 

Hallo, wir sind Elli und Luisa – und in unserem Podcast X und Y nehmen wir dich mit in zwei Welten: die Welt der Medien und die Welt des Feminismus. 

Wir wollen über und mit Medienmacher*innen sprechen, darüber wie Frauen in den Medien dargestellt werden, aber auch über die Strukturen die für Frauen innerhalb der Medienbranche herrschen.  

Unser Thema heute: Erstmal im Thema ankommen!

Jingle Ende 

Ich glaube wir sollten uns der Höflichkeit halber jetzt einfach mal kurz vorstellen, oder?. Elli! fang mal an. 

Hi, ich bin Elli und ich studiere im Master Kommunikation. Und ich bin Feministin. Dass ganz schön viel heißen kann, dazu kommen wir dann später noch. Aber hier für meine Vorstellung heißt das jetzt einfach mal, dass mir die Gleichstellung der Geschlechter ziemlich am Herzen liegt… und dass mich dieses Thema auch regelmäßig ganz schön auf die Palme bringt. Aber da liegt auch einfach so viel Ungerechtigkeit drin, die noch nicht aus der Welt geräumt ist und ich kann auch nicht nachvollziehen, wie man das nicht sehen kann, das fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer. Und ich hab mich auch so ein bisschen selber für das Thema sensibilisiert und das Problem daran ist halt, dass man auch jeden Tag darüber stolpert, wenn man erstmal drauf achtet. Aber ich wollte jetzt noch gar nicht so tief einsteigen, mach mal weiter, Luisa.

Ich bin Luisa, ich arbeite schon in den verschiedenen Medien und ich denke, vielleicht werde ich der nicht ganz so emotionale Part sein in diesem Podcast. Kann sich aber natürlich auch noch ändern, man weiß es ja nicht. Wir haben uns jetzt natürlich für diesen Podcast auch vorbereitet, wir haben viel gelesen, viel gehört und ich merke jedes Mal mit jedem mehr lesen oder hören, meine Antennen sensibilisieren sich immer mehr und deswegen merk ich auch, dass ich selber bei vielen Sachen immer empfindlicher werde, oder tatsächlich, dass mir Sachen selber überhaupt erstmal auffallen. Ob ich mich als Feministin bezeichnen würde, ich glaube dafür bin ich bisher zu passiv gewesen…

Kommt noch!

 und manchmal denk ich halt auch, dieser Begriff… Ich bin tatsächlich noch so, dass ich teilweise davor zurückgeschrecke, wie es wahrscheinlich vielen anderen auch geht. Ich kann dir gar nicht genau sagen, warum das so ist. Aber das ist irgendwie noch so drin programmiert in meinem Kopf. Aber ich denke, das ist einfach ein Prozess und der wird sich sicherlich im Laufe des Podcasts ergeben und da hoffe ich natürlich auch, dass ich euch liebe Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht mitnehmen kann, dass wir da zusammen ein bisschen was lernen. Das fänd ich mega spannend, wenn sich das so ergibt. Und dann könnt ihr ja vllt auch für euch herausfinden, ob ihr euch doch irgendwann als Feminist oder Feministin bezeichnen wollt. Das wäre mir definitiv ein Anliegen. So, genau soviel zu uns. Jetzt sollten wir aber noch den Podcast vorstellen oder die Ideen dahinter. 

Wo fängt man da an?

Gute Frage!

Ich glaube, es fängt an mit unserem Medienzirkus, um es mal groß zu umschreiben. Ich meine, Medien sind vielfältig, da sind wir uns glaub ich alle einig und sind ein mega spannendes Feld, auch wenn es darum geht zu analysieren, was denn unsere Gesellschaft auch gerade so umtreibt. Und im Endeffekt ist das ja so ein bisschen wie das Henne – Ei – Prinzip. Was war denn zuerst da? Die Ideen? Oder die Ideen, wie sie in den Medien widergespiegelt werden. Ich meine, wir als Gesellschaft haben bestimmte Werte und Stereotype und wir hangeln uns da so entlang in unserem Alltag. Und Medien machen ja nichts anderes als diese Werte aufzunehmen und wiederzugeben – zu reproduzieren also. Und wir bilden ja unsere Meinung durch die Medien. Es ist also wie so ein kleiner Teufelskreis, oder auch nur Kreis, um es wertneutral zu sagen. Um das so ein bisschen einfacher zu sagen: Wenn ich als Kind jetzt ganz viele Disney Filme schaue, was ich gemacht habe, dann sind da ganz ganz viele tolle Prinzessinnen, die aber eigentlich fast alle einen Körper haben, der so gar nicht der Realität entspricht. Also ich sehe anders aus, als eine Disney Prinzessin und die meisten anderen Frauen auch. Und das ist ja auch gut so. Einem Kind ist das aber nicht bewusst, was es da grade schaut und dass das vielleicht kritisch ist, dass diese Taille überhaupt nicht möglich ist anatomisch, die diese Prinzessin grade hat. Wenn das Kind dann diese Vorstellung, was schön ist an einem Frauenkörper, mit in sein Erwachsenenleben nimmt und das nie so wirklich hinterfragt und dann auch Medien kauft, die dasn icht hinterfragen, zum Beispiel Frauenzeitschriften mit ganz, ganz vielen schönen Frauen drauf, dann denken sich die Macher*innen dieser Zeitschriften, oh das wird gut gekauft, gut geklickt, da können wir ja noch mehr von produzieren. Und da sind wir wieder beim Kreislauf.

Also das ist jetzt alles mal ganz vereinfacht gesagt – Die BILD setzt bestimmte Themen natürlich nochmal ganz anders um als der Deutschlandfunk oder die Süddeutsche oder die Tagesschau, da sind nochmal ganz andere Werte am Start. Aber im Endeffekt kann das halt schnell mal so zu seinem Teufelskreis werden, wenn es darum geht, dass unsere moderne Gesellschaft, in der wir ja jetzt leben, sich ja auch weiterentwickeln möchte – da ist ja immer dieser Drive da. Und die arbeitet daran, diesen alten “Ballast” loszuwerden, zum Beispiel derzeit Themen wie Rassismus, Homophobie, Antisemitismus oder eben Sexismus.

Ja und da spannen wir dann ja auch unseren Bogen: Also die Medien werden ja von uns gemacht, von uns zwei Medienmacherinnen und noch von ganz vielen anderen Menschen da draußen und wir sind nichts anderes, als eben auch ein Teil der Gesellschaft.

Genau, und um jetzt mal wieder zu unserem Thema zurückzukommen: Wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft reflektierter mit Sexismus umgeht, Sexismus im besten Fall sogar überwindet, dann braucht es dazu auch die Medien, die müssen mit anpacken, die müssen aufhören, die ganzen alten Stereotype immer und immer wieder zu reproduzieren und die müssen einfach neue Denkanstöße in die Gesellschaft bringen und das Tag für Tag. 

Und deshalb machen wir auch diesen Podcast und deswegen wollen wir auch beide Seiten anschauen: Also zum einen, wie schaut es aus in Sachen Sexismus innerhalb der Medienbranche – aber auch: Wie reproduziert die Medienbranche selbst diesen Sexismus – in Zeitschriften, in der Werbung, in Kindersendungen, auf Fotografien, in den sozialen Netzwerken – ich könnte ewig weitermachen.

Voll, da gibt´s ja unglaublich viele Beispiele. Ich freu mich da schon auf die ganzen Folgen, definitiv. Was wir noch anmerken wollen: Wir haben uns da jetzt natürlich in den letzten Wochen ganz schön reingefuchst, haben viel gelesen, viel gehört, was ich ja schon gesagt habe, aber wir sind keine Expertinnen! Wir wollen hier Denkanstöße liefern und euch Zuhörerinnen und Zuhörer anregen, da mit Freundinnen und Freunden und Family drüber zu reden und euch selber Gedanken zu machen, wo ihr selber in dem ganzen Bereich steht, was eure Gedanken und Gefühle dazu sind… Und deswegen wäre es natürlich auch super cool, wenn ihr da in so einen Prozess reinkommt, dass ihr eure Erfahrungen da mit uns teilt und uns schreibt und wir da so ein bisschen zusammen durch diesen Prozess gehen können, fänd ich gut, fänd ich richtig gut. Aber Elli, hast du zufällig auch ein bisschen das Gefühl, dass wir uns das eine Nummer zu groß ausgesucht haben? 

Ja…

Jetzt wenn ich das so durch spiele, denk ich mir, was machen wir da eigentlich.

Ein bisschen schon. Aber mal ehrlich, wir haben da lange drüber geredet, wir sitzen jetzt eigentlich schon ein halbes Jahr an dem Projekt und das Gefühl, dass dieses Thema jemand besetzen muss, ist nicht weggegangen. Weil die Probleme nicht einfach weggehen, wenn niemand was dagegen macht. Und das gute an Podcasts ist, man redet und reden macht Sachen sichtbar. Und wenn etwas sichtbar ist, verändert das ja irgendwie die Welt. Und da wollen wir ja hin, wir wollen einen Unterschied machen.

Ja, genau!

Und deswegen würde ich vorschlagen, wir starten jetzt gefühlt zum dritten Mal so richtig. Und jetzt mal ganz abgesehen von unserem Schwerpunkt “Frauen in den Medien”, sollten wir am Anfang so ein paar Begrifflichkeiten abklären. 

Ja das find ich sehr gut, Begrifflichkeiten find ich mega wichtig. Was da ja immer so ein bisschen mein Problem ist, es sind so viele Begrifflichkeiten mittlerweile teilweise so krass aufgeladen.

Kannst du das bisschen erklären?

Ja, was ich damit meine, das hab ich ja auch vorhin schon mal ein bisschen anklingen lassen: Für mich hat Feminismus sehr lange und auch jetzt noch so ganz in der Hinterecke meines Unterbewusstseins so einen negativen Touch. Aber jetzt merke ich schon auch, nachdem ich mich mehr und mehr damit beschäftige, weiß ich gar nicht mehr, warum das eigentlich so ist. Das ist ja auch nur ein Begriff, der kann für so viel Unterschiedliches stehen. Aber weil das eben so ist, dass selbst ich mich damit schwer tue, darf ich nicht davon ausgehen, dass es meinem Gegenüber bewusst ist , so wie mir, weil sich diese Person vielleicht noch nicht so sehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wie ich jetzt im letzten halben bis dreiviertel Jahr. Weißt du was ich meine?

Ja ich verstehe total was du meinst. Ich bin jetzt schon ein bisschen länger in dieser ganzen Bubble und merke da schon regelmäßig, wie Leute in eine regelrechte Abwehrhaltung gehen, wenn sie merken wie wichtig mir Feminismus ist. Grüße gehen raus an Vaddi an der Stelle! Aber ich bin mir dann gleichzeitig auch so sicher, dass das oft gar nicht absichtlich ist, sondern passiert wirklich oft einfach, weil die Person den Hintergrund und die Fakten einfach nicht auf dem Schirm hat und dann schnell auch nur noch die eigenen Vorurteile rauskramt: Feminismus – ah, Frauen bevorzugen. Punkt. Da kann ich jetzt gar nicht mitreden oder hinterfragen, was die Person eigentlich damit meint, sondern da muss ich jetzt erstmal in ne Abwehrhaltung gehen, weil geht ja gar nicht anders.

Ja das stimmt, das hab ich auch schon oft beobachtet. Okay, dann würde ich sagen, was jetzt für uns wichtig wäre, dass wir jetzt hier mal besprechen, in welchem Kontext wir in diesem Podcast bestimmte Begriffe benutzen. Wollen wir mit dem “bösen F-Wort” starten. 

Ja, wenn man es genau nimmt, dann sollte man eigentlich nicht von Feminismus sprechen, sondern von Feminismen. Plural. Es gibt nicht den einen – und im Zweifel bösen – Feminismus, das ist nicht vorhanden. Feminismen setzen sich generell für die Veränderung der Geschlechterverhältnisse ein. Klingt kompliziert aber eigentlich sind Feminismen einfach nur gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit im allgemeinen – eben in Bezug auf Geschlecht. Und da gibts aber ganz verschiedene Ansätze. Das heißt, im Detail, bei den verschiedenen Feminismen, kommen schon unterschiedliche Überzeugungen heraus. Zum Beispiel gibt es Feminismen, die auf Unterschieden zwischen den Geschlechtern bestehen, wie der konservativen Feminismus. Mann hat solche Eigenschaften und Frau solche. Und es gibt auch Feminismen, die Geschlechterbilder eher ausblenden und da gar nicht das Konzept dafür haben, was Mann und Frau bedeutet, sondern generell in ihrer Argumentation auf die gesamte Gleichheit der Geschlechter eingehen, wie der liberale Feminismus. Aber da gibt´s noch ganz viel mehr, mit politischem, ökonomischem oder ökologischem Background. Das würde aber wahrscheinlich jetzt ein bisschen zu weit gehen. 

Genau, aber es wäre noch wichtig zu klären, was unser XundY Feminismus ist: Was wir unter Feminismus verstehen: Wir als Frauen wollen eine geschlechtergerechte Teilhabe an der Gesellschaft und damit natürlich auch an und in den Medien. Und die ist wie schon vorhin gesagt nur möglich durch eine Veränderung der Machtverhältnisse unter anderem in den Medien. 

Kann ich so unterschreiben, Feminismus, check. Zweiter Begriff: Ein Phänomen, das mich auch mal ganz alltäglich auf den Boden der Tatsachen holt und mir klar signalisiert, dass es Feminismen in unterschiedlichster Form braucht, ist Sexismus.

Kannst du das so ein bisschen konkretisieren? Wann hattest du denn das letzte Mal das Gefühl, dass du sexistisch behandelt wurdest? 

Also wenn ich jetzt ganz im kleinen anfange, deswegen sage ich auch “alltäglich”, also das ist so klein und läuft einem über den Weg und wenn man nicht drüber nachdenkt, merkt man es nicht, dann war das wahrscheinlich, als ich letztens mein WG-Zimmer ausgeräumt habe. Und da hab ich diverse Sachen verkauft, unter anderem meinen Schreibtisch. Und ich hab den aber ganz gelassen für den Mensch, der den abgeholt hat, damit der sich den nochmal anschauen kann, und hatte aber Werkzeug dabei, damit man den halt direkt auseinanderbauen kann, wenn der gefällt. Und der Mann, der kam, wollte den dann auch haben und ich war so quasi schon an der Schraube, um das Ding zu zerlegen, und dann hat er mir, ohne was zu sagen den Akkuschrauber aus der Hand genommen. Und da fängt dann halt bei mir sofort dieses Rädchen an zu laufen: Warum hat er das jetzt gemacht? Hätte er das auch gemacht, wenn ich ein junger Mann wäre? Mein eigenes Werkzeug mir aus der Hand zu nehmen und meinen Schreibtisch auseinanderzubauen? Oder findet er es einfach nur höflich, wenn er derjenige ist, der den abholt, dass er den dann selber zerlegt, aber dann hätte er ja was sagen können? Und wie gesagt, hätte er das auch gemacht, wenn da ein Mann gewesen wäre, der ihm da gegenüber steht? Also weißt du, das sind so Kleinigkeiten, wo ich unzufrieden bin. Weil ich gleichzeitig ja auch nicht nachfragen kann. So, du sag mal, warum hast du das jetzt gemacht?

Ja voll, das mit dem “Woher kommt das jetzt?” oder “Was meinen die jetzt damit? Oder warum meinen die das so?”, das Problem kenn ich auch. Ich hatte auch mal vor nem Jahr oder so ein Projekt und ich hatte einfach das Gefühl, in dem Team nicht ernst genommen zu werden, obwohl ich ja aufgrund meiner bestimmten Expertise für das Projekt genommen wurde. Aber dann denkt man natürlich gleich so: Luisa, steiger dich da nicht so rein. Keine Ahnung. So ist das ja vielleicht in der Berufswelt, man weiß es ja nicht, man ist ja neu. Und dann aber trotzdem die Frage: Woran liegt das jetzt? Werde ich nicht ernst genommen, weil ich Berufsanfängerin bin? Werd ich nicht ernst genommen, weil ich eine Frau bin? Werde ich nicht ernst genommen, weil ich jung bin? Oder vielleicht weil ich in so neuen Teams erst mal bisschen schüchtern und zurückhaltend bin und so meine Zeit brauche, um so mein wahres Ich zu zeigen. Und dann: Wie finde ich das jemals heraus? Weil nur wenn ich weiß, warum ich so behandelt werde, kann ich auch entsprechend darauf reagieren und das finde ich voll schwer. Und dann ist echt die Frage: Hätten die das auch zu einem jungen Kollegen so gesagt oder halt auch nicht? Find ich mega schwer. 

Ich auch. Und weil wir es vorhin hatten, dass du ja noch nicht so lang in der Branch bist: Wie sehr fällt dir das aktuell auf?

Tatsächlich nicht so oft, aber ich glaube, das liegt halt auch daran … also ganz ehrlich, das mit dem WG-Zimmer und dem Tischabbauen, das wäre mir halt nicht aufgefallen. Ich hätte mir da diese Gedanken nicht gemacht, die du dir machst… weil ich glaube, dass meine Toleranzgrenze da deutlich höher liegt.

Ja auch ein guter Punkt mit den unterschiedlichen Toleranzgrenzen, ich glaube meine liegt da deutlich niedriger als deine und schlägt deswegen auch öfter an.  Also: Was wir hier mal für ne Definition festhalten wollen: Sexismus ist die unbewusste oder bewusste Diskriminierung begründet durch das Geschlecht. Häufig verhalten sich Männer sexistisch gegenüber Fraue aufgrund unsere Geschichte, weil Männer halt sehr sehr lange die Könige dieser Welt waren.  Es gibt aber halt nicht nur für die Frau Vorstellungen, wie sie zu sein hat, sondern auch für den Mann. Zum Beispiel, dass der Mann weniger Emotionen zeigen darf, als eine Frau, sonst wird er gleich als Heulsuse bezeichnet. 

Stichwort auch: Toxische Männlichkeit. 

Genau, da kommen wir bestimmt auch nochmal dazu. Was ich dann aber voll spannend finde, wenn man sagt, naja Sexismus gibt´s ja von beiden Seiten: Es ist doch klar, dass es mehr Sexismus gegen Frauen gibt. Und ich dachte, ich frag da mal einen Freund, so, wann hast du denn das letzte Mal Sexismus erlebt – und seine Antwort war: Was wäre das denn zum Beispiel? Es war so völlig unverstellbar für mich, dass man noch nie in seinem Leben Sexismus erlebt hat und das auch nicht … Also vielleicht hat er ja und konnte es aber nicht einordnen, weil ich werd nie den Typen vergessen, der mir mal Nachts auf der Straße an den Arsch gegrapscht hat. Also nie. Und da fängt´s halt erst an. Und er fragt erstmal, was das überhaupt ist. Und das hat für mich ausgedrückt, ja, es ist wichtig zu betonen, Sexismus gibt es in beide Richtungen. Man kann jeden wegen seines Geschlechts, egal welches Geschlecht das ist, diskriminieren. Aber wir sind hier, weil es Frauen so dermaßen oft passiert. 

Ja. Also eine Frau hätte normalerweise, auch in unserem Alter definitiv mindestens ein, zwei Beispiele nennen können… Wir haben jetzt von Männern und Frauen geredet. Aber Geschlecht ist ja nicht nur Männer und Frauen, das ist ja noch einiges mehr. 

Jip und dann sind wir aber auch mit dem Theorieteil schon durch, also bleibt dran. Ist aber auch mega spannend, es gibt da nämlich zwei Begriffe, nämlich Gender und Sex, also jetzt englische Begriffe, nicht unser deutscher Sex. Und Sex steht in dem Kontext für das biologisches Geschlecht, also wenn ich eine Vagina habe, dann bin ich weiblich, und wenn ich einen Penis habe, dann bin ich männlich. Und Gender steht für das soziale Geschlecht, das ich erlerne durch die gesellschaftlichen Strukturen in denen ich lebe. Also zum Beispiel ein Mann in Europa wird ja auch ein bisschen anders erzogen, als ein Mann in Südamerika. In wie weit also das biologische Geschlecht das gesellschaftliche Geschlecht beeinflusst und auch umgekehrt, darüber gibt es verschiedene Theorien, die hier sämtlichen Rahmen sprengen. Uns ist einfach wichtig, dass wir hier alle Geschlechter gerne ansprechen, uns aber auf die Frauen konzentrieren, weil es mal ein Anfang ist würde ich sagen. 

Ja und das schöne ist, wir haben ja jetzt so viele Folgen vor uns, um da nochmal drauf einzugehen. Was mir grade zum Beispiel einfällt ist das Thema Äußerlichkeiten, wie werden Frauen in der Werbung dargestellt… oder ähnlichem… 

So viel zu den wichtigsten Begrifflichkeiten. Aber auch wenn jetzt vielleicht ein paar von euch durch sind und aufgestöhnt haben, wir sind einfach der Meinung, dass Sprache ganz wichtig ist und dass Kommunikation immer hilfreich ist, offene Kommunikation, auch bei der Gleichstellung von Frauen. Deswegen, wenn wir von Feminismen renden, möchten wir, dass ihr auch wisst, was wir damit meinen.

Ja, und ich find grundsätzlich Sprache und Begriffe, das ist einfach super wichtig, weil damit fängts halt an. Alles was du denkst, sprichst du aus und was du aussprichst, das machst du auch und da gibt´s dann auch diese elende Diskussion um das Gendern. Da wird ja immer noch sehr viel darüber diskutiert und das geht mir so auf die Nerven. Wann braucht man es, stört es nicht den Lese- oder Redefluss?! Ist es nicht komplett übertrieben? Haben wir nicht besseres zu tun, hör ich auch oft in Diskussionen. Dann gab`s zum Beispiel diesen Sommer/Herbst Kommentare, die sich drüber lustig gemacht haben, dass der Deutschlandfunk jetzt in den Moderationen von Arbeiter*innen spricht, also diese kurze Pause einlegt. Und andere behaupten in ihrem Podcast, dass man in den Wald käme, wenn man sich jetzt auch noch ums Gendern kümmern müsste. Also hier ist meine Toleranzgrenze deutlich niedriger.

Da einen kurzen Sprung zurück, weil du gesagt hast “nichts besseres zu tun”. Ähm nein, ganz ehrlich, ich finde wir haben nichts besseres zu tun bzw. was ist das für ein Argument? Ich versteh da nicht ganz, was dabei sein soll, einfach sich die 3 Sekunden Zeit zu nehmen und von den Journalistinnen und den Journalisten oder den Virolog*innen zu reden. Also es entspricht ja der Wahrheit, dass es nicht nur Journalisten gibt.

Ja mich nervt dabei auch Leute, die sagen “Wenn ich von Arzt rede, ich mein da beide!” Sorry, ich glaub das nicht. 

Da gibt es ja dieses Experiment – ich weiß gar nicht wer das gemacht hat – wo man Kinder hat malen lassen und gesagt hat “Mal mir mal einen Arzt” Natürlich war auf dem Bild ein Mann. Natürlich. Ich verstehe gar nicht, wie man das hinterfragen kann. Fazit: Sprache verändert unser Handeln.

Definitiv. So, und das wärs dann auch schon mit der ersten Folge? Wie fühlt sichs an? Also ich frag das jetzt, weil wir die Idee des Podcasts jetzt wirklich so viele Male mit ins Bett genommen haben und so viel drüber diskutiert haben und auch gezweifelt haben und überlegt haben, was ist das spannende an dem Thema, gibt es nicht schon genug Podcasts? Deswegen: Wie fühlt es sich jetzt an?

Gute Frage, ganz gut, fühlt sich gut an, dass wir jetzt starten und einfach mal vom Stapel lassen können, was wir vom Stapel lassen wollen. Willst du noch sagen, um was es in der nächsten Folge geht?

In unserer ersten richtig thematischen Folge da werden wir uns mal mit Frauen als Arbeitnehmerinnen im Journalismus beschäftigen. Also wie schauts da so mit den Machtverhältnissen aus und Frauen in Chefredaktionsposten und welche Strukturen gibt es in der Branche und vor allem, was wird dagegen getan.

Cool, ich freu mich!

Ich mich auch.

Und wir freuen uns natürlich mega über Feedback, über eure Gedanken zu dem Podcast und natürlich über bestimmte Themen, die ihr spannend findet. Also schreibt uns gerne eine Mail an hallo@xundy-podcast.de. Oder eine Nachricht über Insta, einfach nach “X und Y – der Podcast” suchen, ich denke, das findet man!

Und abonniert uns gerne, teilt uns, erzählt es allen Freundinnen und Freunden, die das Thema auch interessieren könnte oder vielleicht eurer Meinung nach sogar sollte…

Guter Punkt. Bis zum nächsten Mal!

Bis dann!

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