BlogZeitschriften

Bunte, Brigitte und Barbara – Frauenzeitschriften für Frauen?

In diesem Blogbeitrag widmet sich unsere Redakteurin Irem den Körperbildern in Frauenzeitschriften. Wie werden Frauen dargestellt?

Sharing is caring!

Vogue, Glamour, Womens Health, Bunte, Finanzielle oder Barbara – Seit einigen Jahren gibt es ein extrem breites Spektrum an verschiedenen Frauenzeitschriften. Von Mode- und Lifestyle-Magazinen bis hin zu Fitness- und Finanzzeitschriften. Die A-Liga der deutschen und immer wieder auch der amerikanischen Stars zieren die Cover. Hinzu kommen vielversprechende und ultimative Karrieretipps, romantische Erklärungen für eine erfüllende Liebe und Tipps für eine ausgewogene und gesunde Ernährung. 

In diesem Blogbeitrag widme ich mich den Körperbildern in Frauenzeitschriften. Diese adressieren schließlich gezielt das weibliche Geschlecht. Doch wie werden Frauen dargestellt und welche Tipps haben die Zeitschriften immer parat?

Frauenkörper in Frauenzeitschriften

SCAN YOUR FOOD: So viel Zucker, Fett & Salz steckt in DEINEM LIEBLINGSESSEN + leckere und gesündere Varianten”

“SCHLANK ohne Sport: 15 schlaue Tricks, die sofort funktionieren”

“Last Minute BIKINI BODY”

Vermutlich jede Frau stand vor einem Super- oder Drogeriemarkt-Regal und war überwältigt von der großen und tollen Auswahl an Frauenzeitschriften. Sie sind in den Augen womöglich vieler Frauen nicht nur bloß ein Stapel Papier zum Durchblättern. Diese Zeitschriften sind der Wegbegleiter, die Hilfe und Hoffnung in herausfordernden und schwierigen Zeiten versprechen. Denn sie suggerieren immer wieder, dass sie unsere Probleme verstünden und uns dabei helfen könnten, diese auszusprechen und sie zu lösen: 

“I am feeling myself” – So lässt sich glücklich sein erlernen. 

“Darf ich bitte anders sein? Zu sich finden. Bei sich bleiben. Welt verändern” 

Auf den ersten Blick mag daran nichts falsch sein, doch auf den zweiten Blick entdecken wir nicht nur hilfreiche Tipps und Empfehlungen, sondern auch noch andere Botschaften.

Ich möchte hierzu ein Beispiel nennen: In der Märzausgabe 2022 der Women´s Health ist Model und Influencerin Caro Daur mit einem Waschbrettbauch und Superwoman-Pose abgelichtet. Würde man sich an den gesellschaftlichen Schönheitsidealen der jetzigen Zeit orientieren, hat Caro Daur einen perfekten Körper. Den Rat, den Caro Daur uns in einer Zitatkachel mitgibt: “Vergleiche dich nicht! Jeder Körper ist anders gebaut und unterschiedlich belastbar.”

Wahre Worte – denn jeder Körper ist genetisch anders veranlagt und nicht jede Frau hat die Möglichkeit, Fitness und Mode zum Beruf zu erklären. 

Wo liegt dann der Haken? Bei der fehlenden Diversität derartiger Porträts. Denn die wenigsten Cover lichten realistische Frauenkörper ab und das, obwohl diese doch genau für Frauen mit normalen Körpern und mit stinknormalen Berufen gedacht sind. Oder etwa nicht? 

Dick und lustig oder schlank und schön?

Ein anderes Mal kann das so häufig angepriesene Abnehmen aber auch zum Verhängnis werden. So zum Beispiel Schauspielerin Rebel Wilson. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Rollen in den Filmen Pitch Perfect und Glam Girls. Doch in meinem Beispiel aus der Bunte stehen ihre schauspielerischen Fähigkeiten weniger im Vordergrund, sondern vielmehr ihr neuer Körper: 

WOW! Einst witziger Comedy Star mit Rundungen, nun schöner Schwan! 

Worum es in dem Mini-Artikel geht? Um eine neue Studie zum Thema Übergewicht, für die nun das Beispiel Rebel Wilson hergehalten werden muss. Dabei hatte die Schauspielerin das Jahr 2020 zu ihrem Gesundheitsjahr erklärt und in diesem Zuge auch deutlich abgenommen. Ihr Ziel war es, gesund zu sein und sich im Körper wohlzufühlen und nicht primär extrem abzunehmen. Bedauerlicherweise hat sie laut der Presse aber nicht nur ein paar Kilos verloren, sondern auch ihren Humor. Denn Rebel Wilson ist von nun an nur noch ein schöner und unwitziger Schwan. 

Wie Produkte zur makellosen Schönheit verhelfen sollen

Doch wem der Druck schön und schlank sein zu müssen noch nicht reicht, kann in Frauenzeitschriften noch deutlich absurderen Schönheitsidealen hinterherjagen. So zum Beispiel der markanten Kinnlinie à la Robert Pattinson. Zugegebenermaßen musste ich zweimal überlegen, was mit einer Kinnlinie gemeint war, dreimal überlegen weshalb nun eine markante Kinnlinie das nächste Schönheitsideal sein soll und viermal überlegen, weshalb solche Themen und Tipps überhaupt aufgegriffen werden. Die Brigitte empfiehlt hier, Hyaluron – Filler zu verwenden und die Bunte empfiehlt, sich mit Kaugummis schön zu kauen. Damit wäre das nächste Problem gelöst, das nie eines war! 

Die Kinnlinie ist nur ein Beispiel für den übertriebenen Schönheitswahn in Frauenzeitschriften: Aus einem Problem, das keines ist, wird eines gemacht. Und dafür gibt es dann auch ganz schnell Lösungen in Form von zahlreichen, extrem teuren Produkten: Cremes, Gesichtsmasken, Schminke oder Parfüms. Sie alle sind angeblich der Schlüssel zu Erfolg, Schönheit und Beliebtheit.

Ganz zu schweigen vom “Problem” des Alterns, das wie ein Damoklesschwert über jeder Leserin hängt. Leser und Leserinnen werden überschüttet mit Anti-Aging-Produkten, denn das Alter darf gar nicht erst erkannt werden und das vermeintliche Problem darf gar nicht erst entstehen. Falls das Thema aufgegriffen wird, dann meistens im Zusammenhang mit “erfolgreichen” Beispielen wie Kim Kardashian, die war dann alle dafür loben dürfen, dass sie in ihrem Alter noch so wahnsinnig jung und wahnsinnig gut aussieht. 

Frauenzeitschriften: Gibt`s auch positive Seiten?

Ich möchte mit diesem Blogbeitrag nicht alle Frauenzeitschriften schlecht reden, ihre guten Seiten kann ich dann doch erkennen. Die Vogue achtet mehr auf Diversität und in der Barbara ist eine mehrgewichtige Frau abgelichtet – in einem Artikel, in dem es nicht um Bodypositivity geht, sondern um ein stinknormales Peeling für ganz normale Körper eben. 

Was nehme ich mit aus dieser Analyse?

Wir alle möchten uns vermutlich schön und wohl in unserer Haut fühlen. Daran ist auch nichts falsch, das ist sogar extrem wichtig! Doch wir sollten uns nicht von gesellschaftlichen Idealen unter Druck setzen lassen. Und wir sollten uns vor allem nicht mit anderen vergleichen. Ganz gleich, wie viele perfekte Frauenkörper uns von den Magazinen im Supermarkt aus anlachen. Jeder Körper ist anders und das sollten wir uns wirklich zu Herzen nehmen. Es ist natürlich leichter gesagt als getan, aber wer weiß, vielleicht sehen wir ja schon bald eine normalgewichtige Frau als Covermodel, eine kleine Frau als Covermodel, eine Ü60-Frau als Covermodel – es gäbe so viele Möglichkeiten. Und vielleicht ist diese dann sogar nicht nur schön, sondern auch lustig, schlau und erfolgreich. 

Eure Irem

Menü